Voltaire, der bekanntermaßen ziemlich häßlich war,
begegnete eines Tages auf einem Empfang einer schönen jungen Dame,
die ihm scherzend den Vorschlag machte, sie zu heiraten.
"Bei Ihrem Geist und meiner Schönheit müssten das wunderbare Nachkommen werden!"
Voltaire gab zurück: "Lieber nicht, Mademoiselle - es könnte auch umgekehrt kommen!"



Der Philosoph Antoine Arnauld unterhielt sich einmal auf einer Abendgesellschaft
stundenlang mit einer hübschen, aber vom Geist weitgehend unberührten Dame.
Später wurde er gefragt, wie er es fertigbrächte, solch seichtem Geplauder so lange zuzuhören.
"Wieso zuhören?" erwiderte er. "Ich schaue zu!".



Mark Twain führte eine Dame zu Tisch.
Liebenswürdig, wie er war, machte er ihr ein Kompliment:
"Wunderbar sehen Sie heute aus, gnädige Frau!"
Leider handelte es sich um eine affektierte Person, denn sie erwiderte ihm schnippisch:
"Schade, daß ich Ihnen dieses Kompliment nicht zurückgeben kann!"
Mark Twain ließ sich nicht aus der Laune bringen und gab boshaft zurück:
"Machen Sie es wie ich - lügen Sie!"



Ein junger Lyriker fragte seinen Verleger:
"Meinen Sie, ich sollte mehr Feuer in meine Gedichte legen?"
Der antwortete: "Im Gegenteil, mein junger Freund, im Gegenteil!"



Frank Wedekind wurde von einer Schauspielerin, die in übelstem Ruf stand,
mit unzweideutigen Anträgen regelrecht verfolgt.
Doch sie konnte unternehmen, was sie wollte, Wedekind ignorierte sie.
Sie schwor Rache.
Eines abends trat sie im Theaterfoyer dem Dichter wütend entgegen und sagte laut,
für alle Umstehenden vernehmlich:
"Stimmt es, daß Sie sich rühmen, mit mir geschlafen zu haben?"
Wedekind schüttelte den Kopf: "Mitnichten, Gnädigste! Ich rühme mich des Gegenteils."



Thomas Mann, noch jung und unbekannt,
gab einem Münchner Kunstfreund einige Novellen zu lesen,
in der Hoffnung, daß ihm Förderung zuteil werde.
Doch der Kunstfreund zeigte kein Interesse.
"Ich dachte, Sie seien ein Kunstkenner", sagte Thomas Mann enttäuscht.
"Das schon. Aber Sie sind kein Dichter!" erwiderte der Kunstfreund.
"Entschuldigen Sie", sagte Thomas Mann, "da haben wir uns wohl beide geirrt!"



Der Leiter der Romanredaktion des "Prager Tagblatts" war kein Freund von Ordnung.
In all den Jahren seiner Tätigkeit war es ihm nie gelungen,
Ordnung in das märchenhafte Chaos seiner Redaktionsstube zu bringen.
Eingesandte Manuskripte verschwanden meist sogleich zwischen ihresgleichen,
unauffindbar in alle Ewigkeit.
Dennoch hat dieser Redakteur 1918 das Blatt gerettet.
Am Ende des ersten Weltkrieges wollte die tschechische Bevölkerung
keine deutsche Zeitung mehr in ihrem Lande dulden.
Man stürmte und verwüstete die Redaktionen.
Auch das "Prager Tagblatt" kam an die Reihe.
Ein paar Männer zertrümmerten die Tür der Romanredaktion.
Als sie jedoch das grauenhafte Chaos dort sahen, rief einer:
"Da waren wir schon!" Und der ganze Zug drehte ab.



George Bernhard Shaw schrieb einmal folgende Kritik über eine Hamlet-Aufführung:
"Seit Jahrzehnten streiten sich die Gelehrten, wer der wirkliche Autor des Hamlet ist -
Shakespeare oder Bacon. Zum erstenmal sind wir nun in der Lage,
die Streitfrage klären zu können!
Man öffne die Gräber der beiden Männer.
Derjenige von ihnen, der sich gestern Abend während der Aufführung
in seinem Grabe umgedreht hat, ist der Autor."